Ein Interview mit Michael Roth
Der Markt für Kunststoffverpackungsfolien in Europa steht vor bedeutenden Veränderungen. Sowohl neue Gesetze und Vorschriften aus Brüssel und Berlin als auch selbstauferlegte hohe Standards der Unternehmen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit fordern neue Lösungsansätze. Michael Roth, Geschäftsführer von Fernholz und Leiter des Bereichs Folien, gab dem Fernholz-Insider Einblicke darin, wie Fernholz aktiv daran arbeitet, innovative Lösungen zu entwickeln und sich den wachsenden Anforderungen des Marktes anzupassen.
Herr Roth, die Gesetzesvorgabe zur PPWR (Plastic Packaging Waste Regulation) hat vor Kurzem eine weitere Hürde in der EU genommen und muss jetzt nur noch vom Rat bestätigt werden. Was bedeutet das für die Verpackungsindustrie und damit auch für Fernholz?
Michael Roth: Unabhängig davon, dass der aktuelle Inhalt der PPWR für unsere Branche sicherlich nicht optimal ist, müssen wir uns vor Augen führen, dass diese neuen Vorgaben kommen und schnell umgesetzt werden müssen. Das ist unausweichlich. Die PPWR verlangt eine Reduzierung des Plastikabfalls und fördert das Recycling von Kunststoffverpackungen.
Wie geht Fernholz damit um?
Michael Roth: Auf der Fachpack 2024 im September in Nürnberg präsentieren wir unseren ganzheitlichen Ansatz aus „Re-use/Re-duce/Optimize/Minimize“. Hier zeigen wir, wie Fernholz ganz unterschiedliche Ansätze für mehr Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung kombiniert. Ein Fokus zum Beispiel liegt darauf, dort, wo es möglich ist, Verbundmaterialien durch Monomaterial zu ersetzen. Unsere Forschung und Entwicklung hat es zum Beispiel geschafft, Verpackungslösungen im Bereich der Kaffeesahne-Produkte, die bisher meist auf PS-PE-PS basieren, erfolgreich auf PP Monomaterial in der Unterfolie umzustellen.
Außerdem bieten wir unseren Kunden an, PP-EVOH-PP Folien durch PP-Monomaterial oder PP-Monomaterial mit spezieller Additivierung zu ersetzen. Es gibt hier allerdings keine Lösungen von der Stange. Deshalb stehen wir im engen Dialog mit unseren Kunden, hinterfragen, welche Eigenschaft eine Verpackung tatsächlich braucht und entwickeln so gemeinsam passende Monomaterial-Lösungen.
Aber warum eigentlich PP? Man sollte doch meinen, dass PET als Sekundärrohstoff aus dem Recyclingkreislauf im Hinblick auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit viel besser geeignet wäre?
Michael Roth: Das hat viele Gründe. Fangen wir mit der Kreislauffähigkeit an. Es stimmt, der PET-Recycling-Kreislauf wird im Bereich der Flaschenherstellung vorbildlich umgesetzt. Nimmt man aber PET als Ausgangsmaterial für andere Verpackungsprodukte, sieht das schon ganz anders aus.
Denn außerhalb des Flaschenbereichs wird PET praktisch gar nicht recycelt. Schalen und Trays zum Beispiel bestehen aus einem PET-PE-Verbundmaterial. Diese Kombination macht eine effektive Weiterverwertung im großen Maßstab durch Recyclingunternehmen nahezu unmöglich. In Summe ist PET daher als besonders schlecht recycelbares Verpackungsmaterial der Kategorie 3c eingestuft.
Bei PP sieht das anders aus: PP als Massenkunststoff mit einem Anteil von etwa 25 % an der Gesamtkunststofferzeugung kommt in den Verwertungsströmen häufig vor. Als Monomaterial kann PP jedoch mit großer Effizienz heraussortiert und recycelt werden. Bereits heute gibt es für diesen sortierten Strom einen großen Abnahmemarkt. Deshalb wird PP mit Kategorie 3a im Vergleich am Besten bewertet.
Weitere Aspekte sind die Materialbeschaffung und die Verfügbarkeit von PP. Es gibt weltweit eine Vielzahl von Produktionsstätten für PP, in Europa sogar in wachsender Zahl. Dort wird auf teilweise riesigen Anlagen PP äußerst effizient produziert und ist daher im Vergleich zu anderen Kunststoffen kostengünstiger. Diese hohen Kapazitäten in Kombination mit einem zuverlässig wirtschaftlichen Rohstoffpreis ermöglichen uns langfristig eine sichere Kalkulation unserer Verpackungslösungen.
Doch das sind noch nicht alle Vorteile, die PP aus unserer Sicht vorzuweisen hat. Schauen wir einmal auf die Verwertungsabgabe. Die Berechnungsgrundlage für die Höhe dieser und anderer Abgaben ist das Gewicht. PP mit einer Dichte von 0,9 kg/dm³ ist das Leichtgewicht der Massenkunststoffe und wird damit logischerweise weniger belastet als schwere Kunststoffe wie zum Beispiel PET mit einem Gewicht von etwa 1,36 kg/dm³.
Ich könnte jetzt noch weitere Faktoren wie die guten technischen Eigenschaften von PP oder die Verarbeitungsvorteile anführen. Aber aus unserer Sicht ist es entscheidend, dass wir mit PP-Folien eine Monomaterial-Lösung anbieten können, die kreislauffähig ist, Ressourcen nachhaltig schont und damit am Ende des CO2-Footprint positiv beeinflusst. Deshalb haben wir bei Fernholz entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen.
Die da sind?
Michael Roth: Wir haben an unserem Folienstandort in Schkopau ein umfangreiches Investitionsprogramm gestartet. Begonnen hat es mit der Erweiterung unseres Standortes, so dass dort nun über 2.250 m2 Fläche für Produktion und Lager zusätzlich zur Verfügung stehen.
Das schaffte Raum für neue Maschinen, mit deren Hilfe wir die Extrusionsleistung am Standort verdoppeln und unsere PP-Monomaterialoffensive auch zukunftssicher umsetzen können. Darüber hinaus konnten wir unser Expertenteam gerade in Hinblick auf PP-Folien und verstärkte Nutzung von Hochleistungsfolien aus recycelten Rohstoffen wie zum Beispiel rPS-Folien verstärken. Aber das ist ein anderes, spannendes Thema.
Herr Roth, vielen Dank für das interessante Gespräch.
