Energiekosten senken und Bürokratie abbauen
Schkopau, 10.02.2026
Am 30.01.2026 besuchte ein Fernsehteam des Mitteldeutschen Rundfunks MDR den Fernholz- Folienstandort in Schkopau für eine Reportage über die Lage der Chemiebranche in Mitteldeutschland für das MDR-Nachrichtenmagazin„exakt“.
Anlass war die Ankündigung des US-Chemiekonzern Dow bis Ende 2027 wesentliche Anlagen in Schkopau (Sachsen-Anhalt) und Böhlen (Sachsen) schließen zu wollen. Fernholz-Geschäftsführer Michael Roth wurde vom Team des MDR zu möglichen Auswirkungen auf das Unternehmen Fernholz Verpackungen befragt, und um seine Einschätzung zur geforderten Transformation in der Chemieindustrie gebeten.
Aufgrund der Verbundstruktur und innerhalb der mitteldeutschen Chemiebranche stellt besonders der Wegfall des von Dow Chemical betriebenen Steamcracker in Böhlen ein echtes Problem für viele nachgelagerte Unternehmen dar. Der Steamcracker spaltet Rohöl in Grundstoffe wie Ethylen und Propylen und liefert diese Stoffe via Pipelines auch bis nach Schkopau. „Der Cracker versorgt die Chemiestandorte. Die Chemiestandorte stellen Kunststoffgranulate her. Wir wiederum verarbeiten diese Granulate zu Folien“, fasst Michael Roth die Zusammenhänge in den Lieferketten zusammen. „Natürlich könnten wir das Kunststoffgranulat auch anderweitig beziehen. Aber das ist logischerweise deutlich aufwändiger und wir verlieren einen Wettbewerbsvorteil“, beschreibt Roth das Problem.
Bei allem Ärger und Sorge über das Vorgehen von Dow Chemical in der Region muss man sich aber auch die Frage gefallen lassen, warum das US-Unternehmen einen solch harten Einschnitt durchführt. Und da hat Fernholz eine klare Meinung: „Die gesamte Branche steht unter einem immensen Wettbewerbsdruck. Hohe Energiekosten und dazu wachsende Bürokratie machen es immer schwieriger, sich erfolgreich zu behaupten. Anstatt Bürokratie abzubauen gab es allein seitens der EU 2025 eine wahre Gesetzesflut: Über 1400 Rechtsakte brachte die EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen auf den Weg. So viele wie seit 2010 nicht mehr. Wir zum Beispiel leiden unter der einseitigen finanzielle Belastung des deutschen Mittelstands durch das EWKFondsG. Hier muss die Politik vom Reden ins Handeln kommen“, fordert Michael Roth stellenvertretend.
Fernholz will zeigen, wie das geht. Entgegen dem allgemeinen Trends hatte das Unternehmen Anfang Januar 2026 bekannt gegeben, seinen Wachstumkurs auch in Schkopau fortzusetzen. So wurde im Rahmen des laufenden Investitionsprogramms erst kürzlich ein weiterer Hochleistungsextruder in Betrieb genommen. Diese moderne Anlage ist speziell für die Herstellung von Polypropylen (PP) und Polystyrolfolien (PS) mit Stärken von 200 bis 2000 µm und Breiten von 200 bis 1200 mm konzipiert.
„Mit diesen Investitionen unterstreicht Fernholz sein Bekenntnis zum Standort Schkopau und seine Rolle als verlässlicher Partner für hochwertige Folienlösungen in Europa. Es wäre gut, wenn die Politik im Land, im Bund und auf EU-Ebene hier ihren Beitrag dazu leisten und sich den beschriebenen Problemen wirklich annehmen würde“, so Michael Roth abschließend.



